Ein Gesicht schaut den Betrachter an. Im Hintergrund gesprühter Schriftzug: "Seid Lieb" Unter dem Bild ist Text eingefügt: heilig.Berlin Podcast: Podcast 21 „Es gibt nichts Böses, außer man tut es“?

„Es gibt nichts Böses, außer man tut es“?

Gut und Böse

Wie man Gutes und Böses mit einem Gott zusammendenken kann, das bereitet vielen Kopfzerbrechen. Eigentlich ist das Christentum ja eine Religion, die nur einen Gott kennt. Manchmal erscheint aber der Eindruck, dass es einen Gegenspieler gibt, der diesem Gott sehr ähnlich und fast sogar ebenbürtig ist. Denkt man sich einen Widersacher stark, ist klar, dass auch die Angst vor ihm groß sein wird. Denkt man ihn schwach oder gar nicht existent, dann ist wohl auch die Notwendigkeit für ein Abgrenzungsverhalten gegenüber Andersgläubigen/Ungläubigen gar nicht so ausgeprägt.

Was wäre wenn es Satan gar nicht als Person gäbe? Kann man so das Christentum auch denken? Oder auf der anderen Seite: Gibt es Erfahrungswelten, die einem die Vorstellung einer personalisierten bösen Kraft doch plausibel machen?

Links

Zum Brexit: Britischer Außenminister Jeremy Hunt im Gesprächsforum

  1. https://www.kas.de/veranstaltungsberichte/detail/-/content/trotz-brexit-geeint-durch-gemeinsame-werte

Hannes Wittmer bei detektor.fm Session

  1. https://detektor.fm/musik/detektor-fm-session-mit-hannes-wittmer

Ausflugstipps von unseren beiden Giganten des Nahverkehrs in Berlin

  1. https://sbahn.berlin/was-hast-du-vor/ausflugstouren/
  2. https://www.bvg.de/de/Service/Berlin-erleben/Ausflugstipps

„Es gibt nichts Böses, außer man tut es“?

  1. Artikel von Petra Bahr über Hannah Arendt in „Die Zeit“: https://www.zeit.de/2018/33/christentum-boese-gut-dualismus (evtl. hinter der Paywall versteckt)

Veranstaltungshinweis: „Was glaubst du“

„Auf der Suche nach adventistischer Identität“,

  • Sa., 13. April 2019, 16.30 Uhr -> „Grundsatzfragen
  • Sa., 18. Mai 2019, 16.30 Uhr -> „Wir in Berlin

In der Adventgemeinde Berlin-Zehlendorf (Gartenstraße 23, 14169 Berlin). Mehr Infos demänchst unter der Seite: https://heilig.berlin/was-glaubst-du

Mitwirkende

  1. Jana, Dietmar und Stephan an den Mikrofonen.
  2. Mix und Mastering: Auphonic.com
  3. Titelfoto: Stephan Hartmann

heilig.Berlin auf vielen Kanälen

  1. www.heilig.berlin
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  5. bei iTunes  https://itunes.apple.com/de/podcast/heilig-berlin-podcast/id1199630984?mt=2
  6. bei Spotify https://open.spotify.com/show/7dNBDUzsLF39QRdtSAHv5l

Ein Gesicht schaut den Betrachter an. Im Hintergrund gesprühter Schriftzug: "Seid Lieb" Unter dem Bild ist Text eingefügt: heilig.Berlin Podcast: Podcast 21 „Es gibt nichts Böses, außer man tut es“?

One thought to “„Es gibt nichts Böses, außer man tut es“?”

  1. moin leute,
    (für alle anderen: VORSICHT, THEOLOGENSPRECH!)
    habe mir heute wieder euren podcast beim joggen reingezogen. klasse sache, nach wie vor, und gut gemacht. heute antworte ich mal auf diese folge („es gibt nichts böses, ausser man tut es“), und zwar regt sich in mir der theologische einspruch und das sollt ihr als lob verstehen, denn so kommen gute diskussionen zustande. ich mache das mal in losen versatzstücken:

    beobachtung: die bibel spricht (besonders im AT) nur zögerlich und spärlich vom satan/teufel.
    beobachtung: es ist krank, den teufel hinter allem zu sehen.
    beobachtung: die kain-und-abel-geschichte wirft uns auf uns menschen und unsere verantwortung zurück. wir brauchen keinen teufel, um die sünde zu erklären.
    beobachtung: die banalität des bösen ist die banalität des menschlichen

    diese beobachtungen sind m.e. weitgehend zutreffend und lassen erkennen, dass hier gut ausgebildete theologen am werk sind. nun hat sich mir aber der eindruck aufgedrängt, dass mit dieser guten ausbildung auch der ganze package deal der evangelischen theologie des neunzehnten und zwanzigsten jahrhunderts mit eingekauft wurde. ein paar bemerkungen dazu:

    ja, das AT spricht sehr zögerlich vom teufel, das NT eher massiv. ob das nun viel oder wenig ist: sie spricht davon und geht von der personalen existenz eines gottes-widersachers aus. man müsste, wollte man jetzt theologisch auf diese setzung verzichten, auch ehrlich sein und das als mythos entlarven, den es in der moderne auszumerzen gilt oder zumindest in einen psychologismus aufzulösen. es soll ja theologen gegeben haben (in marburg z.b.), die das programmatisch durchgezogen haben, ironischerweise in einer zeit (39-45), in der man sich damit ziemlich ins knie geschossen hat (s.u.). daher hat man nachher jahrzehntelang so getan, als sei nichts außergewöhnliches passiert. aber es hilft einfach nicht, zu bemerken, dass der teufel wenig in der bibel vorkommt. er kommt vor, er wird vorausgesetzt, er wird beschrieben (offenbarung), vor ihm wird gewarnt, ihm wird personale aktion zugeschrieben usw. es ist mir zu hemdsärmelig, ein theologumenon aufzustellen mit verweis auf quantitative beobachtungen. die befunde, die wir haben, sind von massiver exegetischer qualität (auch hes 28 und jes 14, besonders wenn man sieht, wie oft diese stellen zb in der offb rezipiert werden), ob sie nun im poetischen duktus daherkommen (hiob, propheten) oder im gewand der sage (gen 3, um den begriff von karl barth zu verwenden).
    stephan sagte so trefflich und scharf beobachtend, dass die schlange in gen 3 ja geschöpf ist (aus der tierwelt). dann hat er aber leider den ball verloren, denn von daher beginnt doch erst die beobachtung: eben geschöpf und nicht gegengott (ein von euch vielleicht schmunzelnd oder auch leichtfertig verwendeter begriff). was sagt das denn? die offenbarung ist doch nur konsequent, wenn sie das bild des tieres dann weiter benutzt. und hiob mit seinem leviathan (man schaue sich die beschreibung mal genau an: das ist kein krokodil) tut es ebenso.
    wenn es auf das NT ausgeht, so ist euch sicherlich in der theologie die (viel zu wenig beachtete) arbeit von gustav aulen (40er jahre, schweden, lutheraner) bekannt: christus victor. er kommt zwar nicht von origenes oder vom henochbuch her, sondern einfach vom NT und der kirchengeschichte und legt dar, dass das vorherrschende versöhnungsmodell des NT nicht die forensische, die satisfaktorische oder gar die ethisch-sittliche sicht ist, sondern die der kosmischen auseinandersetzung. kurz gesagt: jesus kam, um dem teufel ordentlich auf die glocke zu geben. man beachte den descensus ad infernum im apostolikum und die entsprechenden darstellungen in der frühen kunst.
    die banalität des bösen. hannah arendt (es gibt übrigens einen tollen kinofilm über die eichmann-sache, den ich neulich sah) eignet sich immer, um zu zeigen, dass man philosophisch beschlagen ist, aber der stichwortartige einwurf von der „banalität des bösen“ ist eben nicht mehr als versatzstück. dass diese these ebenso berühmt wie umstritten ist, sollte angemerkt sein. schon ein blick in wikipedia lässt einen stutzig werden: „Nach Avner Werner Less, der Eichmann 275 Stunden lang verhört hatte, haben viele Prozessbeobachter und insbesondere Hannah Arendt völlig verkannt, dass Eichmanns Aussagen ein Lügengewebe gewesen seien, um seine eigene bedeutende Rolle in der Judenvernichtung systematisch zu verschleiern. Er sei kein kleiner, armer und unbedeutender Beamter, der nur seine Pflicht tat und blind an Kadavergehorsam glaubte. Eichmanns Verteidigungsstrategie habe darin bestanden, die Richter von der Unwichtigkeit und Geringfügigkeit seiner eigenen Person zu überzeugen. Dies hätten viele Beobachter nicht durchschaut, sondern seine gespielte Rolle naiv für wahr erachtet.“ less war unzweifelhaft näher an eichmann als arendt, die höchtwahrscheinlich nur eine beobachterin einer grandiosen theatervorstellung wurde, ohne es zu merken. damit will ich arendt nicht diskreditieren, denn sie ist eine phänomenale person gewesen. ich will nur sagen: das dämonische ist, dass es im gewand der banalität daherkommt.
    das bringt mich auf meinen eigentlichen punkt: am anfang hat dietmar treffend dargelegt, dass es in der bibel drei ursachenerklärungen gibt: mensch, gott, teufel. das ist zutreffenderweise die dreidimensionale sicht der bibel, die sie, wie ihr ausgeführt habt, in aller ausgewogenheit und zurückhaltung durchhält. dass nach auschwitz für viele theologen die theologie erst einmal am ende war, liegt m.e. auch in der tatsache, dass seit dem neunzehnten jahrhundert der teufel einfach entlassen wurde, sozusagen von der menschlichen bühne gekegelt. seitdem leben wir in einem theologisch-ethischen mensch-gott-dualismus, der uns in einen ziemlichen erklärungsnotstand bringt, wenn es um das abgründig böse geht, nicht um das banal böse (das abgründig böse habt ihr bezeichnenderweise schön aussen vor gelassen. der brudermord des kain war so ziemlich das schlimmste, was ihr euch vorstellen konntet). ich glaube, dass die verbrechen und unsagbaren gräuel des zwanzigsten jahrhunderts (davor natürlich auch) ohne das dämonische als erklärungsansatz die theologie stumm gemacht haben, was ja auch beobachtbar ist. die theodizee-frage ist schlicht unbeantwortbar geworden. sie ist ja sowieso schwierig und komplex, aber da hilft es wenig, die drei-d-brille der bibel wegzwerfen und nur noch monochrome theologie zu betreiben. entweder überhöht man dann die menschliche verantwortung ins unermessliche (mit dem banalen ethischen allgemeinplatzfazit, dass man verantwortung übernehmen müsse) und die menschlichen abgründe ins bodenlose oder aber man spricht bedeutungsschwanger von der dunklen seite gottes (unter anrufung der notorischen und von euch genannten texte, die ja ohne exegese auskamen bzw. für die es durchaus andere deutungen geben kann). fazit ist: die bibel (gen 4, paulus) nimmt menschliche verantwortung sehr ernst; sie beschreibt gott als souverän, dessen handeln nicht immer nachvollziehbar ist, aber sie kennt auch einen kosmischen konflikt, in dem der teufel handelt, personal und gottfeindlich. alle drei erklärungen müssen möglich sein, um realität im biblischen sinn erfassen zu können. und dann kommt es ja noch dicker: jesus steht in den evangelien im unmittelbaren schlagabtausch mit dem teufel UND es ist seine mission, deutlich zu machen, dass gott eben KEINE dunkle seite hat. mit allen fingern (inklusive des gottesfingers! luk 11,20) wird in der bibel unmissverständlich auf den urheber des bösen gezeigt und ihr psychologisiert ihn weg?
    daher ist die aussage, dass es krank sei, wenn man alles mit dem teufel erklärt, zutreffend, aber argumentiert einmal mehr vom rand, vom extrem her, was natürlich keine gute theologie ist. denn die kommt aus der mitte, nicht vom rand. man kann von den verzerrungen des randes, den pathologischen entgleisungen, nur schwer aussagen über die mitte machen. der kranke missbrauch (die charismatische dämonisierung von allem z.b.) verneint nicht den guten gebrauch (z.b. das erklärungsschema soma-psyche-pneuma in dieser abfolge, wenn es um erkrankungen geht oder, wie oben angeführt, denkansätze zur theodizee-frage bei systemischem bösen, das sich gegen jede banalmenschliche erklärung sträubt).
    letzter punkt: für mich ist die folge ein weiterer versuch, eine statische philosophisch-theologische erklärung zu geben für ein dynamisches buch. griechiches denken für eine hebräische bibel. die bibel macht keine systematische theologie. wenn man sie in toto ernst nimmt, dann erzählt sie eine geschichte, mit drama, mit dynamik, mit rückschlägen, klärungen, querverweisen und einblicken. adventisten brauchen mit dem glaubenspunkt nr 8 (der grosse kampf) nicht hinter dem berg zu halten. entstauben reicht und wenn wir in die weltpolitik hineinschauen, entstaubt er sich gerade wieder von selber.

    daher meine gegenthese: wir brauchen eine remythologisierung, um die realität im biblischen sinne dreidimensional zu erfassen. dafür hat man dann vielleicht keinen bequemen platz im theologischen mainstream, aber spannend ist es allemal.

    wie gesagt, kritik ist lob und das soll es hier sein. weiter so.

    bis bald
    dennis

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